Samuel Gahlinger «The Swiss Mountain»

Foto: Samuel Gahlinger, NPC Worldwide Swiss Spring Show 2026

Samuel Gahlinger, bekannt unter seinem Spitznamen «The Swiss Mountain», dürfte aktuell einer der massivsten Athleten der Schweiz sein. Er steht für einen kompromisslosen Ansatz im Kraftsport, bei dem schweres Training, Disziplin und langfristiger Aufbau, statt schnelle Ergebnisse, im Mittelpunkt stehen. Sein Auftreten ist geprägt von einer konsequenten Fokussierung auf Muskelmasse und Kraftentwicklung. Dabei verfolgt er das Ziel, nicht nur selbst kontinuierlich stärker zu werden, sondern auch andere zu einem strukturierteren und leistungsorientierten Lebensstil zu inspirieren. In diesem Interview spricht Samuel über seinen Weg in den Sport, seine Trainingsphilosophie, Ernährung, Regeneration und den Einsatz von leistungssteigernden Substanzen.

Zum Interview mit Samuel Gahlinger

Samuel, du nennst dich «The Swiss Mountain». Erzähl mal: Wie hat deine Kindheit dich eigentlich zum Bodybuilding gebracht?

Das ist eigentlich eine lustige Geschichte. Ich habe damals im Fitnessstudio meines Papas trainiert und stand einmal im Türrahmen. Da habe ich mich richtig breit gemacht und gemerkt, wie gross ich wirke. Mein Papa meinte daraufhin: «Du stehst da wie ein Berg.» Jemand anderes sagte dann: «Wie ein Schweizer Gipfel.» So sind wir schliesslich auf den Spitznamen «The Swiss Mountain» gekommen.

Was war der entscheidende Moment oder die Person, die dich richtig ins harte Training gebracht hat?

Definitiv mein Papa. Ich bin praktisch im Fitnessstudio aufgewachsen. Schon als Kind war ich dort ständig unterwegs und habe früh mit dem Training angefangen. Mit 15 Jahren habe ich zum Beispiel das erste Mal 200 kg in der Hackenschmidt-Kniebeuge gemacht. Wenn mich jemand in diesen Sport gebracht hat, dann ganz klar er.

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus, wenn du nicht gerade im Gym stehst? Hast du Hobbys oder Dinge, bei denen du komplett abschalten kannst?

Ich lebe durch und durch für Bodybuilding – das ist eigentlich immer in meinem Kopf. Wenn die Wettkämpfe vorbei sind, reise ich aber sehr gerne und nehme mir ein paar Wochen Zeit, um abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen.

Wie bekommst du Privatleben, Familie, Freunde und den ganzen Trainings- und Karriere-Stress unter einen Hut?

Ich habe mein Leben so strukturiert, dass alles zu meinem Sport passt. Toxische Freunde und Menschen, die mich nicht unterstützen, habe ich aus meinem Umfeld entfernt. Auch meinen Job habe ich an meinen Sport angepasst. Man lebt nur einmal – deshalb finde ich, man sollte das machen, was man wirklich liebt.

Was war bisher dein grösster persönlicher Erfolg – egal ob auf der Bühne, im Alltag oder in der Community?

Meine Bühnenplatzierungen sind bisher leider noch nicht so spektakulär, wie ich es mir wünschen würde. Ich wurde zwar Dritter bei der Mr. Universum, aber natürlich will man immer mehr und irgendwann auch gewinnen. Trotzdem bin ich stolz auf meinen Weg und sehe, dass ich mich ständig verbessere.

Bei deiner beeindruckenden Muskelmasse: Welche Trainingsprinzipien nutzt du, um so viel Masse wie möglich aufzubauen?

Ich setze sowohl auf Grundübungen als auch auf Isolationsübungen. Dabei probiere ich gerne neue Ansätze aus Studien aus, bleibe aber auch bei den Basics, die für mich funktionieren. Generell trainiere ich sehr schwer. 240 kg Bankdrücken auf Wiederholungen sind für mich zum Beispiel normal, genauso wie etwa 900 kg in der Beinpresse. Ich trainiere generell nicht gerne leicht.

Ernährung ist beim Masseaufbau entscheidend. Wie sieht dein Kalorienüberschuss und deine Makro-Aufteilung aus?

In der Massephase halte ich meinen Kalorienüberschuss relativ klein, etwa bei 100 – 200 Kalorien. Alles darüber hinaus führt bei mir eher zu zusätzlichem Fett statt zu weiterer Muskelmasse. Ich achte auch in dieser Phase auf eine saubere Ernährung und gute Lebensmittel, damit meine Gesundheit und Blutwerte stabil bleiben. Meine Makro-Aufteilung variiert je nach Phase und ist nicht jeden Tag exakt gleich festgelegt. In der Diät reduziere ich die Kalorien schrittweise in ein leichtes bis moderates Defizit.

Viele Athleten wünschen sich eine Muskelmasse wie deine. Welche Fehler siehst du bei Anfängern oder Fortgeschrittenen am häufigsten?

Viele sagen mir, sie würden sehr viel essen. Wenn man dann aber gemeinsam ihren Tag durchgeht, merkt man oft, dass es für einen starken Muskelaufbau eigentlich zu wenig Kalorien sind. Ich denke, viele machen den Fehler, dass sie nicht konstant genug trainieren. Sie wechseln ständig den Trainingsplan oder trainieren nicht mit der nötigen Intensität. Die Basics funktionieren meistens am besten – man muss sie nur über Jahre konsequent durchziehen.

Supplements – was nimmst du regelmässig und was ist für dich unverzichtbar?

Unverzichtbar sind für mich Omega-3 und Kreatin – egal ob in der Aufbauphase oder in der Diät. Meiner Meinung nach sind diese Supplements für jeden sinnvoll.

Wie stehst du zum Thema Medikamente (Anabolika) im Bodybuilding?

Man sieht mittlerweile natürlich, dass ich nicht mehr natural bin – auch wenn mich Leute schon früher gefragt haben, wie viele Einheiten HGH ich nehme, als ich noch natural war. Auf einem sehr hohen Niveau ist der Einsatz von PEDs (leistungssteigernde Substanzen) im Bodybuilding fast schon notwendig. Allerdings weiss ich nicht, ob ich heute noch einmal denselben Schritt gehen würde.

Regeneration wird oft unterschätzt. Wie baust du Erholung in deinen Trainingsplan ein?

Ich plane bewusst Restdays ein, auch wenn es mir manchmal schwerfällt, nicht ins Studio zu gehen. Regeneration gehört eben genauso zum Fortschritt wie das Training.

Wie viele Jahre hat es gedauert, bis du diese Muskelmasse aufgebaut hast?

Das dauert natürlich viele Jahre. Aber genau das ist auch das Schöne daran: Man kann sich so einen Körper für kein Geld der Welt kaufen – man muss ihn sich über lange Zeit hart erarbeiten.

Welche drei Tipps würdest du Anfängern geben, die Muskelmasse aufbauen wollen?

  1. Geduld: Es wird nicht schnell gehen. Gerade am Anfang kann man vielleicht 5 – 10 kg Muskelmasse pro Jahr aufbauen – das ist schon sehr viel. Wichtig ist, zu akzeptieren, dass man in der Offseason nicht immer perfekt aussieht. Genau damit haben viele Bodybuilder Probleme.
  2. Konstanz: Sie ist entscheidend. Viele wechseln ständig ihren Trainingsplan oder ziehen Dinge nicht lange genug durch. Die Basics funktionieren, aber nur, wenn man sie über Jahre konsequent macht.
  3. Harte Arbeit: Man muss wirklich hart und intensiv trainieren! Viele beenden den Trainingssatz zu früh und gehen nicht ans Limit. Fortschritt entsteht nur, wenn man regelmässig stärker wird und an seine Grenzen geht.
 

Vielen Dank für deine Zeit und das spannende Interview, Samuel!

  Wichtiger Hinweis: Wer sich für eine Karriere im Bodybuilding entscheidet, wird langfristig um den Einsatz von Medikamenten nicht herumkommen. Wer Profi-Niveau erreichen will und sich nach guter Überlegung dazu entscheidet, sollte dies aber clever und nur mit ärztlicher Kontrolle tun sowie sich an das Gesetz halten. Allen anderen raten wir vom Einsatz leistungssteigernder Substanzen streng ab! Dir hat dieser Artikel gefallen? Dann lies auch:

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