Foto: SBD Schweiz
Mit 380 Kilogramm im Kreuzheben und 170 Kilogramm im Log Lift zählt George Paunovic zu den stärksten Männern des Landes – und zu den diszipliniertesten. Der 27-jährige Berner hat sich in den letzten Jahren an die Spitze der Schweizer Strongman-Szene gearbeitet und 2025 zum zweiten Mal den Titel «Stärkster Mann der Schweiz» gewonnen.
In diesem Interview spricht Paunovic über seinen Weg vom Bodybuilding zum Strongman, über Rückschläge, mentale Stärke und was es wirklich braucht, um tonnenschwere Gewichte zu bewegen.
Das Interview mit dem Schweizer Strongman George Paunovic
George, für alle, die dich noch nicht kennen: Wer bist du – und wie würdest du dich selbst beschreiben?
Mein Name ist George Paunovic. Ich bin in Frutigen BE geboren, in Spiez aufgewachsen und lebe heute in Bern. Ich bin 27 Jahre alt, arbeite als Technikleiter bei Toblerone und betreibe seit fünf Jahren den Sport Strongman.
Ich würde mich als diszipliniert, stur und hilfsbereit beschreiben. Wenn ich etwas will, kämpfe ich dafür und verliere mein Ziel nicht aus den Augen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, für mein privates Umfeld da zu sein.
Wie bist du zum Strongman-Sport gekommen? Gab es ein Schlüsselerlebnis oder ein Vorbild?
Anfangs habe ich mich einige Jahre im Bodybuilding und Powerlifting versucht, doch das war nicht das Richtige für mich. Schon als Kind habe ich mit meinem Vater Strongman-Wettkämpfe im Fernsehen geschaut – und ich war fasziniert davon, wie diese Giganten unglaubliche Lasten bewegen konnten.
Mit 22 Jahren begann ich selbst mit Strongman-Training. Durch meine Idole Brian Shaw und Hafthor Björnsson habe ich mich sofort in den Sport verliebt. Die Entwicklung war ein ständiges Auf und Ab: In den ersten beiden Jahren ging es steil bergauf – 2022 wurde ich zum stärksten Mann der Schweiz gekrönt. Nach einem kleinen Rückschlag in den Jahren 2023 und 2024 konnte ich 2025 erneut den Titel gewinnen. Insgesamt habe ich in meiner Karriere bereits sechs nationale Rekorde gebrochen.
Wie sieht eine typische Trainingswoche bei dir aus?
Meine Trainingswoche ist klar strukturiert:
Montags trainiere ich Beine und Griffkraft, dienstags stehen Schultern, Brust und Trizeps auf dem Programm, donnerstags folgen Kreuzheben und Rücken. Am Samstag trainiere ich gezielt die Strongman-Disziplinen, die im nächsten Wettkampf anstehen.
Jede Trainingseinheit dauert rund drei Stunden – volle Konzentration und Belastung inklusive.
Welche Übungen liegen dir besonders am Herzen?
Ganz klar: der Log Lift (Baumstamm-Überkopfdrücken) und das Kreuzheben. Diese beiden Disziplinen stehen für mich sinnbildlich für pure Kraft. Mein Ziel war es immer, in diesen Bereichen der Beste der Nation zu sein – und das konnte ich erreichen.
Du hältst mehrere Schweizer Rekorde. Auf welche bist du besonders stolz?
Definitiv auf den Log Lift und das Kreuzheben. Mein Rekord im Log Lift liegt bei 170 Kilogramm, im Kreuzheben bei 380 Kilogramm. Diese Leistungen bedeuten mir sehr viel, weil sie das Ergebnis jahrelanger Arbeit und Disziplin sind.
Verletzungen und Rückschläge gehören zum Sport dazu. Wie gehst du damit um?
Ruhe bewahren und geduldig bleiben – das ist das Wichtigste. Wenn man zu schnell wieder einsteigt, geht es meistens schief. Geduld ist im Strongman-Sport das A und O.
Wie wichtig ist dir Ernährung im Training?
Die Ernährung spielt auch im Strongman eine grosse Rolle, allerdings nicht ganz so strikt wie beim Bodybuilding. Ich nehme täglich rund 4000 bis 5000 Kalorien zu mir – je nach Wettkampfphase – und achte darauf, dass etwa 70 Prozent davon aus gesunden Lebensmitteln stammen. Der Rest darf auch mal etwas «freier» sein.
Was geht dir am Wettkampftag durch den Kopf?
Am Wettkampftag bin ich ruhig und konzentriert. Ich gehe mit dem klaren Ziel hin, zu gewinnen, bleibe aber entspannt und versuche, den Spass dabei nicht zu verlieren.
Hast du Rituale, bevor du einen schweren Lift angehst?
Ja, immer. Vor einem schweren Versuch rieche ich am Riechsalz (Ammoniak), haue mir zweimal auf die Stirn – und dann bin ich komplett in der Zone. Ab diesem Moment existiert nur noch der Lift.
Foto: SBD Schweiz
Wie gehst du mit Druck und hohen Erwartungen um?
Mit Druck kann ich gut umgehen. Ich bleibe fokussiert und lasse mich nicht ablenken. Ich setze mir selbst hohe Ziele, und wenn ich sie einmal nicht erreiche, versuche ich, das zu reflektieren und daraus zu lernen. Jeder Rückschlag ist eine Lektion.
Was motiviert dich an Tagen, an denen du keine Lust hast zu trainieren?
An solchen Tagen denke ich an meine bisherigen Erfolge – aber auch an meine Rückschläge. Beides erinnert mich daran, dass ich niemals aufgegeben habe. Das gibt mir neuen Antrieb!
Wie steht die Schweizer Strongman-Szene im internationalen Vergleich da?
Das Niveau in der Schweiz ist leider noch nicht ganz auf dem Level unserer Nachbarländer. Aber wir sind auf einem guten Weg, den Sport hierzulande bekannter und grösser zu machen. Mein Ziel ist es, Strongman in der Schweiz populärer zu machen – so entstehen auch mehr Möglichkeiten für alle Athleten.
Gegen welchen internationalen Athleten würdest du gerne einmal antreten?
Da Brian Shaw bereits im Ruhestand ist, wäre es ein absoluter Traum, einmal gegen Hafthor Björnsson anzutreten.
Was möchtest du jungen Athleten und Fans mit auf den Weg geben?
An alle jungen Athleten: Bleibt dran und gebt niemals auf! Dieser Sport formt euch – körperlich und mental. Ihr werdet Höhen und Tiefen erleben, aber genau das macht euch stärker. Strongman lehrt euch Disziplin, Geduld und Durchhaltevermögen.
Und an alle Fans: Kommt zu den Wettkämpfen, unterstützt die Athleten und seid Teil dieser einzigartigen Community. Ohne euch kann der Sport nicht wachsen – und ich lade jeden ein, Strongman einmal selbst auszuprobieren.












