Echte Longevity-Schlüssel
Die Altersforschung der letzten 5 Jahre ist richtungsweisend. Es gibt Untersuchungen, die echte Schlüssel zur Verlängerung unserer Gesundheitsspanne sein können. Keine Hightech-Analysen, sondern sieben sehr einfach zu bestimmende Blutmarker, die entscheidende Informationen über den Zustand unseres physiologischen Systems liefern. Sie zeigen, ob unser Immunsystem unter Dauerstress steht, ob der Stoffwechsel schon Signale der schnelleren Alterung sendet oder Gehirn und Gefässsysteme gefährdet sind.
hsCRP: Stille Entzündungen als Altersturbo
Das hoch-sensitive C-reaktive Protein (hsCRP) ist ein präziser Marker für unterschwellige Entzündungen, auch bekannt als Inflammaging. Dauerhaft erhöhte Werte beschleunigen Alterungsprozesse im gesamten Körper. Schon Konzentrationen über 3 mg/L gelten als Warnsignal. Menschen mit chronisch erhöhtem hsCRP entwickeln häufiger Frailty (Gebrechlichkeit), Muskelschwäche und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dies selbst dann, wenn sie sich subjektiv gut und gesund fühlen [1].
Man könnte sagen: hsCRP ist ein Rauchmelder der körpereigenen Physiologie. Schlägt dieser Alarm, ist es höchste Zeit, das Feuer zu löschen durch Lebensstilinterventionen wie Bewegung, Regeneration Training sowie antientzündliche Ernährung und aktives Stressmanagement.
Vitamin D: Mehr als ein einfaches Sonnenvitamin
Vitamin D ist längst nicht nur für den Stoffwechsel unseres Knochensystems wichtig. Heute gilt es als echtes Immunhormon.
Es beeinflusst die Muskelkraft, die Stabilität unserer Knochen und die Effizienz des Immunsystems. Zahlreiche Studien implizieren, dass erniedrigte Spiegel das Risiko für Gebrechlichkeit (Frailty) im Alter erhöhen [2].
Ein optimaler Vit-D-Spiegel liegt nach vielen Expertenaussagen höher als die klassischen Referenzwerten. Etwa 40 bis 60 ng/ml gelten als sinnvoll, um Körper und Abwehrsystem stark & fit zu halten. Wer dauerhaft unter einer Unterversorgung leidet, baut Muskelmasse & Dichte schneller ab und verliert auf Dauer sichtbar an Lebensqualität.
Omega-3-Index: Der Jungbrunnen unserer Zellmembranen
Der Omega-3-Index gibt an, wie viel EPA und DHA in den Membranen der roten Blutkörperchen eingelagert ist. Dieser Wert ist Mitentscheider, ob unser Körper entzündungsfördernd oder eher hemmend arbeitet.
Eine Meta-Analyse konnte aufzeigen, dass ein hoher Omega-3-Status das Risiko für kognitiven Abbau deutlich senkt [3]. Optimal sind demnach Werte zwischen 8 und 11 Prozent. Wer unter 5 Prozent liegt, hat ein viel höheres Risiko für Herzprobleme, Demenz und stille Entzündungen (Silent Inflammation).
HbA1c: Das Blutzucker-Gedächtnis
Der HbA1c-Wert ist so etwas wie das Langzeitgedächtnis des Blutzuckers von unserem Körper. Er zeigt, wie hoch dein Blutzuckerspiegel in den letzten acht bis zwölf Wochen war. Schon Werte über 5,7 Prozent gelten als kritisch da ein sogenannter Prädiabetes vorliegen kann.
Eine grosse Studie fand heraus, dass höhere HbA1c-Werte mit erhöhter Gesamt- und Herz-Kreislauf Sterblichkeit einhergehen [4]. Zucker, der sich dauerhaft an Proteine anlagert, wirkt im wahrsten Sinne des Wortes wie Rost im Körper: Er schädigt Gefässe, beschleunigt Alterungsprozesse und fördert zudem Krankheiten.
Nüchtern-Insulin und HOMA-Index: Das Frühwarnsystem
Während HbA1c die Vergangenheit widerspiegelt, zeigt das Nüchtern-Insulin den aktuellen Zustand. Zusammen mit dem Glukosewert ergibt sich der HOMA-Index, der schon frühe Stadien einer Insulinresistenz aufzeigen kann.
Insulinresistenz beginnt oft unerkannt und lange bevor ein Diabetes überhaupt diagnostiziert werden kann. Studien belegen, dass sie eng mit Gebrechlichkeit, Sarkopenie und funktionellem Abbau im Alter verbunden ist [5]. Optimal sind Insulinwerte unter 10 mU/l und ein HOMA-Index unter 2. Wer in diesem Bereich liegt, kann das biologische Altern massgebend verlangsamen.
ApoB: Das wahre Alter deiner Arterien
Cholesterin allein ist heute nicht mehr der Goldstandard der Messungen. Besser geeignet ist zusätzlich Apolipoprotein B (ApoB). Es zeigt die Anzahl der LDL-Partikel im Blut und damit die tatsächliche Belastung deiner Gefässe.
Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen auf: ApoB kann LDL-C in der Vorhersagekraft für Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiken übertreffen beziehungsweise super ergänzen [6]. Wer seinen ApoB-Wert im Blick hat und niedrig hält, reduziert demnach sein Gefässalter messbar und schützt sich vor Alterskillern und somit Reduzierung der Gesundheitsspanne.
Homocystein: Ein unscheinbarer, aber mächtiger Faktor
Homocystein ist ein Zwischenprodukt unseres Eiweissstoffwechsels. Wird es nicht ausreichend abgebaut, steigen die Werte und mit ihnen ebenfalls das Risiko für Gefässschäden und Demenz. Bereits Konzentrationen über 12 µmol/L gelten als sehr kritisch.
Eine aktuelle Studie zeigt: Erhöhtes Homocystein steigert das Risiko für das sogenannte Motoric Cognitive Risk-Syndrom, eine Vorstufe zu Demenz [7]. Positiv ist, dass der Wert durch eine gute Versorgung mit B-Vitaminen und einen aktiven Lebensstil gesenkt werden kann.
Das Fazit der beiden Gesundheitsexperten Daniel Schoon und Dr. Daniel Schwarzenberger
Die sieben vorgestellten Blutwerte sind zwar (noch) keine Routineparameter beim Hausarzt, jedoch eine Art Frühwarnsystem für unsere Abbauprozesse. Sie verraten, ob unser Immunsystem in Flammen steht, der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht oder Gehirn und Gefässe unter Druck geraten sind.
Die sieben Blutwerte lassen sich durch Training, Ernährung, Schlaf und wenn notwendig durch gezielte Supplementierung positiv beeinflussen.
Blutwerte sind nicht nur reine Laborzahlen, nein, sie sind unser innerer Kompass für ein längeres und vor allem gesünderes Leben.
Kurzbiographie: Dr. Daniel Schwarzenberger
Das Herzensthema von Dr. Daniel Schwarzenberger, die Förderung von Prävention und Gesundheit, zieht sich bis heute durch all seine Tätigkeiten. Er beschäftigt sich mit Motivation und Kreativität im Sport, durchleuchtet die neuesten Fitnesstrends, forscht zu digitalen Tools und diskutiert die grossen Gesundheitsthemen.
In seiner Rolle als Vertretungsprofessor, in der Dr. Schwarzenberger einen innovativen Studiengang für den Gesundheitssektor konzipiert hat, bildet er die nächste Generation an Fachkräften aus.
Als Dozent, Autor und Speaker, mit inzwischen über 30 Veröffentlichungen, darunter zwei Fachbüchern, teilt Dr. Daniel Schwarzenberger nicht nur sein Wissen und seine Erfahrungen, sondern auch seine Begeisterung und ist stets bestrebt, Menschen zu einem gesünderen Lebensstil zu inspirieren. Gemeinsam mit Daniel Schoon arbeitet er aktuell an dem Herausgeberwerk «Gesundheit unter Druck.»
Quellen:
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[1] Iso, H., Cui, R., Date, C., Kikuchi, S., Tamakoshi, A., & JACC Study Group. (2021). C-reactive protein levels and risk of mortality in middle-aged Japanese: the JACC Study. Journal of Epidemiology, 31(4), 241–247. https://doi.org/10.2188/jea.JE20190231
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[2] He, Q., An, Y., Kang, H., Zhai, Y., Feng, L., & Wang, T. (2024). Serum vitamin D status and risk of frailty: A systematic review and meta-analysis. Ageing Research Reviews, 92, 102184. https://doi.org/10.1016/j.arr.2024.102184
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[3] Sala-Vila, A., Guasch-Ferré, M., Hu, F. B. (2023). Omega-3 fatty acids and the prevention of cognitive decline: A meta-analysis of prospective studies. Clinical Nutrition, 42(1), 89–98. https://doi.org/10.1016/j.clnu.2022.06.015
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[4] Nanri, A., et al. (2024). Hemoglobin A1c and mortality risk: Evidence from a large Japanese cohort. Diabetologia, 67(2), 225–236. https://doi.org/10.1007/s00125-023-05998-7
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[5] Kim, T. N., Park, M. S., & Lim, K. I. (2021). Insulin resistance and the risk of frailty in older adults: Findings from the Korean Frailty and Aging Cohort Study. Geroscience, 43(2), 623–633. https://doi.org/10.1007/s11357-020-00287-8
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[6] Ference, B. A., Graham, I., Tokgozoglu, L., & Catapano, A. L. (2020). The importance of apolipoprotein B as a risk factor for cardiovascular disease: A position statement from the European Atherosclerosis Society. Atherosclerosis, 300, 1–9. https://doi.org/10.1016/j.atherosclerosis.2020.01.008
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[7] Verghese, J., Wang, C., Katz, M. J., Sanders, A., & Lipton, R. B. (2020). Elevated plasma homocysteine and risk of developing motoric cognitive risk syndrome. Neurology, 94(8), e861–e869. https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000008952












